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Großglockner

Die Motorrad-Reviere am Großglockner

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Der Großglockner ist kein Revier aus vielen Straßen, sondern eine einzige Panoramastraße mit ihrem Umland: die Großglockner-Hochalpenstraße zwischen Salzburger Land und Kärnten. Um sie herum liegen die Mautstraßen und Talorte, die aus einem Tag am Berg eine mehrtägige Runde machen. Was jeder Abschnitt fahrerisch bringt und wo man sinnvoll Station macht, steht hier.

Die Hochalpenstraße – das Kernstück

Hochplateau der Glocknerstraße unter einer Föhnwolke
Hochplateau der Glocknerstraße unter einer Föhnwolke

Die Großglockner-Hochalpenstraße (B 107) verbindet Bruck im Salzburger Pinzgau mit Heiligenblut in Kärnten und quert dabei den Alpenhauptkamm. Höchster durchfahrener Punkt ist das Hochtor auf 2.504 Metern, wo ein Tunnel die Wasserscheide zwischen Nord- und Südrampe unterquert. Auf knapp 48 Kilometern reihen sich 36 nummerierte Kehren, dazu lange, gut einsehbare Serpentinen mit stetig wechselndem Blick — fahrerisch fordernd, aber durchweg breit ausgebaut und griffig, also kein Balanceakt, sondern flüssiges Kurvenfahren. Die Mautstellen liegen an der Nordseite bei Ferleiten oberhalb von Fusch und an der Südseite bei Heiligenblut; Bruck ist nur das Tor am Fuß, wo die Straße von der B 311 abzweigt. Sie ist gebührenpflichtig, hat feste Tagesöffnungszeiten und ist im Winter gesperrt — Saison und Tarif ändern sich jährlich und gehören vor der Anfahrt geprüft.

Edelweißspitze und Fuscher Törl – die Höhenschleifen

Herbstliche Lärchen an der Gletscherstraße
Herbstliche Lärchen an der Gletscherstraße

Am Fuscher Törl zweigt die kurze, grob gepflasterte Edelweißstraße ab und schraubt sich zur Edelweißspitze hinauf — mit 2.571 Metern der höchste mit dem Motorrad erreichbare Punkt der ganzen Straße. Das Kopfsteinpflaster ist eng und bei Nässe rutschig, verlangt also im ersten Gang gefahren zu werden; der Rundblick über die umliegenden Dreitausender ist dafür der weiteste der Strecke. Das Fuscher Törl selbst (2.428 m) ist der zentrale Aussichtsbalkon zu beiden Rampen, gleich daneben liegt die kleine Fuscher Lacke. Die Höhe bleibt spürbar: Auch im Hochsommer kann es hier oben empfindlich kühl werden und das Wetter binnen Minuten umschlagen — warme Lage und ein zweites Paar Handschuhe gehören ins Gepäck.

Franz-Josefs-Höhe und die Pasterze – die Stichstraße zum Gletscher

Motorrad auf der Großglockner-Hochalpenstraße vor der Gipfelkulisse
Auf der Großglockner-Hochalpenstraße

Auf der Kärntner Seite zweigt hinter dem Hochtor die Stichstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 m) ab — eine Sackgasse, die man hin und auf gleicher Strecke zurückfährt. Am Ende steht man dem Großglockner gegenüber, mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs, und blickt auf die Pasterze, den größten Gletscher der Ostalpen. Der Eisstrom zieht sich seit Jahren sichtbar zurück; die freigelegten Felsflanken markieren, wo er noch vor wenigen Jahrzehnten lag. Wer das Panorama ohne Reisebus-Andrang will, fährt früh, denn der große Parkplatz füllt sich vormittags schnell. Von der Südrampe zweigt zudem eine kurze Straße zum Glocknerhaus (2.132 m) ab, einer Schutzhütte oberhalb von Heiligenblut, die zugleich Ausgangspunkt der Bergsteiger auf den Glockner ist.

Gerlos, Felbertauern und Nockalm – die Anschlüsse für die Runde

Motorrad auf der Talstraße bei Bucheben, dahinter Kirche und Bergwiesen
Bucheben in einem Seitental südöstlich von Zell am See

Der Glockner steht nicht allein; erst die Nachbarstraßen machen daraus eine Tour über mehrere Tage. Nach Westen führt die mautpflichtige Gerlos-Alpenstraße vom Oberpinzgau über den Gerlospass ins Zillertal und passiert dabei die Krimmler Wasserfälle, mit 380 Metern Fallhöhe die höchsten Österreichs. Nach Süden schiebt die Felbertauernstraße (B 108) durch ihren Scheiteltunnel von Mittersill nach Matrei in Osttirol und Lienz — die schnelle, wetterunabhängige Verbindung, wenn Neuschnee die Hochalpenstraße kurzzeitig zumacht. Weiter südöstlich in Kärnten liegt die Nockalmstraße, ebenfalls eine Panoramamaut, aber sanfter und über rundgeschliffene Grasberge statt Fels geführt — ein ruhigerer Gegenpol zum steilen Fels des Glockners und gut als halber Tag dazwischen.

Standquartiere – wo man sinnvoll bleibt

Holzberghütte hoch über dem Tal an der Passstraße
Eine Berghütte eher für Biker als für Bergsteiger

Als Basis am Fuß bieten sich beide Seiten an. Im Süden ist Heiligenblut mit seiner Wallfahrtskirche vor dem Glockner-Massiv der klassische Ausgangspunkt für einen frühen Start über die Südrampe. Im Norden liegen Fusch und Bruck direkt an der Auffahrt, eine Talstufe weiter Zell am See und Kaprun — größere Standquartiere mit reichlich Betten und kurzem Weg zur Mautstelle Ferleiten. Von Kaprun aus lässt sich ein Ruhetag füllen, etwa mit der Auffahrt zu den Kapruner Hochgebirgsstauseen. Wer den Glockner ernst nimmt, plant eine Übernachtung am Berg ein und fährt die Hochalpenstraße in den frühen Morgenstunden — vor dem Tagesverkehr gehören die Kehren dann fast allein dem Motorrad.

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