
Österreich vom Allerfeinsten
17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch Österreich führen. Auf vier Etappen geht es von Steyr bis nach Hallein.
GroßglocknerMotorradregion Großglockner40 Strecken · 36 Pässe
Der Motorrad-Guide am Großglockner: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Der Großglockner ist mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs. Er steht in der Glocknergruppe der Hohen Tauern, auf der Grenze zwischen Kärnten und Osttirol, und gibt einem der dichtesten Hochgebirgsreviere der Ostalpen seinen Namen. Wer hier mit dem Motorrad unterwegs ist, meint fast immer dieselbe Achse: die Großglockner-Hochalpenstraße, Landesstraße B107, die auf rund 48 Kilometern das Salzburger Bruck an der Großglocknerstraße mit dem Kärntner Heiligenblut verbindet. Zwischen den beiden Talorten liegt kein Alltagsverkehr, sondern eine reine Höhenstraße – 1935 als Panoramastrecke eröffnet und bis heute mautpflichtig.

Das Höhenprofil erklärt, warum die Straße kein Durchgangsweg ist, sondern ein Ziel. Vom Salzburger Talboden auf gut 800 Metern schraubt sie sich in 36 nummerierten Kehren über die Waldgrenze hinaus in die vegetationslose Zone jenseits von 2000 Metern. Der Belag ist durchgehend asphaltiert und breit genug, die Radien wechseln zwischen engen Spitzkehren in den Kehrengruppen und langgezogenen Bögen an den Hangtraversen. Dünner werdende Motorleistung, weiter Blick und ein spürbarer Temperatursturz zwischen Tal und Passhöhe gehören zum Charakter dieser Fahrt. Trotz der Höhe bleibt die Steigung fahrbar gleichmäßig – die Straße wurde von Anfang an für Ausflugsverkehr trassiert, nicht für den kürzesten Weg, und das nimmt dem Anstieg jede Hektik.
Gebaut wurde die Strecke nicht als Abkürzung, sondern als Erlebnisstraße quer über den Gebirgskamm. Das merkt man an der Linienführung: Jede größere Kehrengruppe mündet in einen Aussichtsbalkon, an dem sich das Anhalten lohnt. Der erste davon auf der Nordrampe ist das Fuscher Törl auf 2428 Metern. Dort zweigt die kurze, mit grobem Kopfsteinpflaster belegte Edelweißstraße ab und endet nach wenigen Kehren auf der Edelweißspitze. Mit 2571 Metern ist sie der höchste mit dem Motorrad erreichbare Punkt der ganzen Strecke; bei klarer Sicht reicht der Rundblick über 37 Dreitausender und knapp zwanzig Gletscherfelder.
Die beiden Rampen fahren sich unterschiedlich. Die Salzburger Nordseite ist die längere und offenere: weite Kehren, viel Blick nach vorn, ein gleichmäßiges Hocharbeiten über mehrere Stufen. Die Kärntner Südseite ab Heiligenblut ist kürzer und steiler gestaffelt, mit engeren Radien und mehr Gefälle unter dem Vorderrad. Weil die Straße kein Transitweg ist, sondern eine Ausflugsstrecke, rollt der Verkehr eher gemächlich – Reisebusse, Wohnmobile und Radfahrer teilen sich die Fahrbahn, überholt wird auf den kurzen Geraden zwischen den Kehren. Wer früh am Morgen oder gegen Abend fährt, hat die Höhe deutlich freier. Die breite, gut einsehbare Trasse macht die Überquerung auch für alle zugänglich, die nicht ständig im Hochgebirge unterwegs sind.

Herzstück der Überquerung ist das Hochtor. Der 2504 Meter hohe Scheiteltunnel durchsticht den Hauptkamm der Hohen Tauern und markiert zugleich die Grenze zwischen Salzburg und Kärnten. Die historische Passhöhe darüber liegt bei 2576 Metern; über sie führte schon lange vor dem Straßenbau ein Saumweg über die Tauern. Südlich des Tunnels wird die Landschaft schroffer, die Kehren fallen steiler in Richtung Mölltal ab, und der Fahrstil verlagert sich vom gleichmäßigen Hochziehen aufs kontrollierte Bremsen in der Kurve.
Im südlichen Streckenabschnitt oberhalb von Heiligenblut zweigt die 8,5 Kilometer lange Gletscherstraße ab und führt als Sackgasse zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2369 Metern. Der Balkon steht direkt gegenüber der Pasterze, dem längsten Gletscher der Ostalpen, über dem sich die Nordseite des Großglockners aufbaut. Die Pasterze zieht sich seit Jahren merklich zurück; die Distanz zwischen Aussichtsplattform und Eisrand ist heute größer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Man fährt die Stichstraße hin und dieselben Kehren wieder zurück – für den Blick auf Gletscher und Gipfel nimmt das kaum jemand als Umweg.
Nach Süden endet die Hochalpenstraße in Heiligenblut auf 1291 Metern im oberen Mölltal, dessen spätgotische Kirche vor der Glocknerkulisse zu den bekanntesten Motiven der Ostalpen zählt. Von hier wie von Bruck aus lässt sich die Straße an einem Tag in beide Richtungen fahren; viele hängen den kurzen Halt an der Fuscher Lacke, einem kleinen Bergsee auf 2261 Metern, noch an die Auffahrt an.

Was das Revier ausmacht, ist die Konzentration auf engstem Raum. Auf keinen fünfzig Straßenkilometern wechselt die Umgebung vom Nadelwald über Almmatten und Murmeltierhänge bis in die Fels- und Firnzone knapp unter der Dreitausendergrenze; über dreißig Dreitausender stehen dabei in Sichtweite. Das Hochgebirge gibt den Rhythmus vor: Das Wetter kann innerhalb einer Stunde von Sonne auf Nebel und zurück drehen, oberhalb von 2000 Metern liegt die Frühtemperatur selbst im Hochsommer oft im einstelligen Bereich. Mit wärmerer Schicht und Regenzeug im Gepäck fährt man die Höhe entspannt – gerade die klare Luft nach einem Schauer gehört zu den besten Momenten hier oben.
Die Großglockner-Hochalpenstraße ist ein reines Sommerrevier. Geöffnet ist sie je nach Schneelage von Ende April oder Anfang Mai bis Anfang November und über Nacht gesperrt; die Mautstellen öffnen je nach Saison zwischen halb sechs und sechs Uhr früh und schließen am Abend, letzte Einfahrt jeweils 45 Minuten vorher. In den langen Tagen um die Sonnenwende bleibt damit genug Zeit für zwei oder drei Auffahrten hintereinander. Frühjahr und Herbst bringen die klarste Fernsicht auf die Gletscher, der Hochsommer die verlässlichste Wärme in den Tallagen. Rundherum spannt sich das weitere Revier der Hohen Tauern auf – die Täler von Pinzgau und Mölltal, die benachbarten Tauernübergänge –, doch das Zentrum bleibt diese eine Straße: 48 Kilometer, 36 Kehren, vom Talwald bis auf 2571 Meter.
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17 kleine historische Städte liegen wie Perlen auf einer 3.500 Kilometer langen Landstraßenstrecke, die kreuz und quer durch Österreich führen. Auf vier Etappen geht es von Steyr bis nach Hallein.

Diese Tour widmet sich den Seen Oberbayerns mit Abstechern in das Salzburger Land und nach Tirol. Der Start ist wahlweise in Saalbach oder am Chiemsee.

Schon früh im Mai startete unser erstes Lesertreffen im M&R-Hotel Sonnegg in Saalbach. Die Sonnenaufgangstour zum Großglockner ist dabei immer ein ganz besonderes Highlight.



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